Chorleben - S-Chorverband

Aktuelles Editorial SINGEN, Ausgabe 8/9-2011

Liebe Sängerinnen und Sänger,

das Landesmusikfestival in Pfullingen hat wieder einmal gezeigt, wie schön, gefühlvoll, leistungsstark und jugendbildend die Laienmusik ist. Alle dürfen stolz auf das Dargebotene sein, der Schwäbische Chorverband besonders auf seine Open-Sound-Veranstaltung mit Kinder-, Jugend- und Jungen Chören sowie auf die Late-Gospel-Night als farbige Höhepunkte.

Da verstört einigermaßen, was die neue Landesregierung anlässlich des Landesmusikfestivals (nicht) getan hat. Es hat sich offenbar kein einziges Regierungsmitglied finden lassen, das die von Ministerpräsident Erwin Teufel seinerzeit gestiftete Conradin-Kreutzer-Tafel den mindestens 150 Jahre alten Vereinen überreicht hätte. So sollte man mit dem kulturellen Erbe nicht umgehen. Weder Erwin Teufel noch der Landesmusikverband haben eine solche Brüskierung verdient. Schade! Dass die Vertreterin des Kultusministeriums, Ministerialdirigentin Sabine Frömke, die Situation charmant und klug gemeistert hat, steht auf einem anderen Blatt. Ihr haben wir sehr zu danken.

Der bisher gute und vertrauensvolle Kontakt zum Kultusministerium wird sich leider in Zukunft auf Teilgebiete unserer Arbeit, nämlich die Kooperationen mit Kindergärten und Schulen, beschränken müssen. Damit konnten wir nicht rechnen, denn in der Abgrenzung der Geschäftsbereiche der neuen Regierung vom 12.05.2011 las es sich noch so, dass unter III. Kultusministerium Nr. 6 die Zuständigkeit (wie seit Jahrzehnten) für „Heimatpflege, Volksmusik und Laienkunst“ aufgeführt war. Dies war die Basis meiner optimistischen Einschätzung einer guten künftigen Zusammenarbeit mit der neuen Landesregierung. Ende Juni begann es plötzlich zu rumoren, und es konnte eine Landtagsdrucksache (Nr. 15/147) ausfindig gemacht werden, in der die „Heimatpflege, Volksmusik und Laienkunst“ (jetzt Nr. 9) dem Wissenschaftsministerium zugeschlagen wurde. Das heißt, dass dieses Ministerium künftig für unsere „Pflege“ zuständig sein soll. Das wurde über unsere Köpfe hinweg so entschieden.

In einem Dankschreiben vom 13.7.2011 (als schon alles entschieden war) auf meinen Glückwunsch zu ihrem neuen Amt hin hat mir die Ministerialdirektorin im Kultusministerium, Dr. Margret Ruep, lapidar mitgeteilt, dass diese Zuständigkeitsverlagerung zur Erfüllung des Koalitionsvertrags beitrage, die zersplitterten Zuständigkeiten im Kunst- und Kulturbereich wieder stärker zu bündeln.

Und nun lesen Sie die Regierungserklärung unseres Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann vom 25. Mai 2011 nach. Da ist folgendes zu finden: „Vielmehr wollen wir die Dinge im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern, im Dialog mit den organisierten und nicht organisierten Interessengruppen in unserem Land vorantreiben. Viele Menschen verbinden mit uns die Hoffnung auf einen neuen Politikstil. Die Zeit des Durchregierens von oben ist zu Ende…(Die Regierung) wird eine Politik des Gehörtwerdens praktizieren. Sie wird den Bürgerinnen und Bürgern im Dialog gegenübertreten, zuhören und dann entscheiden“ (alles S. 27). Nichts davon trifft auf die Umressortierung zu. Sachlich kann es Ministerpräsident Kretschmann egal sein, wenn eine Zuständigkeit von einem SPD-geführten Ressort zu einem Ressort, das GRÜN geführt wird, übergeht. Aber das obrigkeitliche Verfahren beschädigt schon seinen „neuen Politikstil“.

Liebe Sängerinnen und Sänger, wir werden auch mit der neuen Herrschaft zusammenarbeiten. Das Vertrauen muss freilich wieder gestärkt werden. Ein Knackpunkt wird sein, ob wir bei unserer Förderung weiter parallel zum Sport gleich behandelt werden. Diesem wurden von der alten Landesregierung in einem Solidarpakt finanzielle Zusagen für die kommenden Jahre gemacht. Die CDU-Fraktion hatte beschlossen, dass dies auch für die Verbände der Laienmusik gelten soll. Der Haushaltsentwurf für 2012 wird die Wahrheit an den Tag bringen.

Ihr

Eckhart Seifert

Präsident

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Archivnutzer_SingenundStimme_Blog, 1. Aug 2011, Singen und Stimme, Kommentare per Feed RSS 2.0,Kommentare geschlossen.

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