Chorleben - S-Chorverband

Vorzeigevereine im Schwäbischen Chorverband – Warum sie erfolgreich sind

Von anderen lernen – das ist Sinn dieser neuen Reihe in der Zeitung SINGEN. Was machen sie anders, diese Vereine? Die einen Aufnahmestopp verfügen müssen. Die ihre Konzerte nach der 2. Wiederholung noch einmal wiederaufnehmen müssen. Denen die Jugend zuläuft. Die kein „Altersloch“ zwischen 30 und 50 haben. Wir sagen es Ihnen.

Den ersten Teil der Artikels finden Sie hier.

Heute: Die Chorwerkstatt Neckartenzlingen

Die drei Chorleiterinnen der Chorwerkstatt arbeiten Hand in Hand und planen jedes Jahr gemeinsame musikalische Projekte. Von links: Gudrun Fahr (Großer Chor), Katrin Werner (Vorschulkinder von 3-6 Jahren), Heike Weis (Kinderchor Stimmbande II und Sing and Swing AG der Auwiesenschule, 1 – 4. Klasse, Jugendchor 10-15 Jahre).

Sollten Sie zufällig mal auf dem Webportal der Chorwerkstatt Neckartenzlingen landen, lassen Sie sich Zeit, öffnen Sie Ihren Editor und notieren Sie alles, was einen guten Webauftritt ausmacht. Und vergessen Sie nicht, zwischendurch zu atmen. Denn dieser Verein macht einen atemlos. Wir sprachen mit Gudrun Fahr, der Gründerin der Chorwerkstatt.

SINGEN: Eigentlich gibt es in dieser neuen Reihe unserer Zeitschrift SINGEN nur eine Frage, und die heißt: Wie wird mein Chor erfolgreich? Wie managt, gründet, leitet man einen erfolgreichen Chor? Und schon sind´s 4 Fragen geworden. Gudrun Fahr, Sie haben einen solchen erfolgreichen Chor aufgebaut, einen der z.Z. erfolgreichsten im SCV. Ich denke, da spielen viele Faktoren zusammen.

GUDRUN FAHR: Ja, und das beginnt mit dem Setzen von Zielen und der Suche nach einem kompetenten Team, um diese Ziele anzupacken. Ein moderner Verein braucht heute ein modernes Management. Das heißt, ins Vorstandsteam und in den Beirat Personen wählen, die Qualifikationen für die verschiedenen Aufgaben besitzen. Dann geht´s weiter:

  • Mittel- und langfristige Planungen musikalisch und finanziell
  • Finanzielle Unabhängigkeit anstreben
  • Jugendarbeit starten
  • Kontakte pflegen im Chorverband, mit anderen Chören, mit Chorleitern, mit Schulen, Kindergärten, den Vereinen vor Ort
  • Regelmäßige Fortbildung für Chorleiter, Vorstandsteam, Sängerinnen und Sänger
  • Im Budget einen Betrag für Fortbildung jedes Jahr neu aufstellen
  • Professionelle Öffentlichkeitsarbeit: Logo, Werbemittel, Internetauftritt
  • Positives Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit, regelmäßige Präsenz in der Öffentlichkeit

SINGEN: Es gibt 7 Weltwunder und es gibt 7 Todsünden, von denen die Bibel spricht. Wie heißen die 7 Todsünden des Vereinsmanagements?

GUDRUN FAHR: Die lassen sich tatsächlich gut zusammenfassen zu einer kleinen Tabelle, deren Inhalt vielen bekannt sein dürfte.

  • Singen wird von anderen Aktivitäten in den Hintergrund gedrängt
  • Machtkämpfe im Verein
  • Konkurrenz entstehen lassen zwischen verschiedenen Chorformationen und ihren Chorleitern; jeder Chor hat seine eigenen Ziele, keine gemeinsamen Projekte
  • Neue Mitglieder nicht integrieren
  • Keine Bereitschaft für Neues
  • Ausruhen auf Erfolgen, Klebenbleiben an Bewährtem, den Blick für die Zukunft verlieren
  • Probleme in der Öffentlichkeit diskutieren (nach der Singstunde lautstark in der Kneipe schimpfen)
  • Presseberichte mit Negativ-Schlagzeilen
  • Chorleiter sind von ihrer Leistung überzeugt, Fortbildung hat man nicht nötig, andere Chöre interessieren einen nicht, Konzerte anderer Chöre werden nicht besucht

SINGEN: Was würden Sie bereits bestehenden Chören und ihren Vereinen raten, um auf die Erfolgsspur zurückzukommen? Und was würden Sie neu gegründeten Vereinen raten?

GUDRUN FAHR:

  • Gezielte Jugendarbeit betreiben
  • Qualität anstreben
  • Immer wieder neue musikalische Ziele setzen und die Ansprüche höher schrauben
  • Nie den Höhepunkt erreicht sehen
  • Versuchen, Erfolge zu toppen
  • Am Puls der Zeit bleiben, neue Trends erkennen, bereit sein zu Experimenten
  • Flexibel sein, nicht festfahren in allen Bereichen
  • Jedes Jahr mittelfristig neu planen (die Chorwerkstatt plant musikalische Ziele jetzt schon bis ins Jahr 2014)
  • Kreatives Potential im Chor nützen: wer hat wo seine Stärken
  • Ziele auch am Publikum ausrichten. Wer sind unsere Fans und Zuschauer?
  • Fanliste erstellen, mit Infos versorgen
  • Zusammenführung der Generationen, generationenübergreifende Projekte durchführen

SINGEN: Ein Chor ist so gut wie sein Chorleiter. Eine Binsenweisheit. Aber ein Chorleiter ist nur ein Glied im Verein, wenn auch – musikalisch gesehen – das wichtigste. Wer zieht mit am gleichen Seil?

GUDRUN FAHR: ALLE sollten am gleichen Seil ziehen: Chorleiter (vor allem bei mehreren Chorleitern im Verein), Vorstandschaft, Sängerinnen und Sänger

SINGEN: Kann man in einem erfolgreichen Chor beides pflegen, Breiten- und Spitzenarbeit?

GUDRUN FAHR: Auch in der Breitenarbeit sollte man die Spitze anpeilen.

SINGEN: Eine letzte Frage. Was wäre Ihr Chor ohne die Verbände, denen er angehört, also den Chorverband Ludwig Uhland und den Schwäbischen Chorverband? Braucht ein Verein diese Mitgliedschaften oder kann er auch alleine erfolgreich sein?

GUDRUN FAHR: Im Chorverband Ludwig Uhland und im Schwäbischen Chorverband fühle ich mich als Chorleiterin gut aufgehoben. Meine ständige Fortbildung und viele Kontakte verdanke ich diesen Verbänden. Mein Talent für Kinder- und Jugendarbeit konnte ich hier in verschiedenen Vereinen weiter entwickeln und vielen Kindern auf den Weg helfen, das Singen zu einem wichtigen Baustein im Leben werden zu lassen. Mehrere sind sogar selbst Chorleiter geworden. Der Verband hat mir und den beiden anderen Chorleiterinnen der Chorwerkstatt (meine Tochter Heike Weis sowie Katrin Werner) immer die Möglichkeit geboten, an interessanten und großen Chorfesten teilzunehmen, Begegnungen mit anderen Chören zu pflegen, Fortbildungen zu besuchen und freundschaftliche Kontakte und Begegnungen zu erleben. Die Verbandszeitung SINGEN ist für uns eine wichtige Informationsquelle, die uns auch über rechtliche Fragen, Versicherungsthemen, Gema, wirtschaftliche Themen und musikalische Trends auf dem Laufenden hält. Wir lesen jeden Monat, was die anderen Chöre singen, welche Veranstaltungen im Chorverband geplant sind, wo Chorfeste stattfinden. Wir diskutieren in den Sitzungen, wer zu welchen Fortbildungen geht (dafür stellen wir jedes Jahr einen Betrag ins Budget). Wir sind gern im Chorverband und versuchen, alle angebotenen Möglichkeiten zu nützen und uns selbst einzubringen, wo es gewünscht wird (ich war jahrelang Jugendreferentin im CV Ludwig Uhland, Mitglied im Jugendausschuss des SSB, seit Jahren Öffentlichkeitsbeauftragte im CV Ludwig Uhland, Heike Weis ist Redaktions-Mitarbeiterin von SINGEN). Wir wenden uns bei Problemen oder Fragen an die zuständigen Stellen im Chorverband. Wir sind dankbar für die finanzielle Unterstützung im Bereich der Jugendarbeit. Wir sind gern Mitglied im Chorverband!

Wolfgang Layer

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Johannes Pfeffer, 3. Mai 2011, Chorverband Ludwig Uhland, Jugendchöre, Kinderchöre, Nachwuchsarbeit, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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